Das Modell Gemeinschaft

Der gesellschaftlichen Gemeinschaft kommt und kam schon immer eine zentrale Bedeutung zu. Das ist mehr eine kulturelle, denn eine politische Frage. Wir leben in einer Kultur des gegenseitigen Helfens und des gegenseitigen Verpflichtet seins und dennoch befinden sich diese Aspekte in einem Umbruch.

Familiäre Netze des Geben und Nehmens

Das Schlagwort der „individualisierten Gesellschaft“ beschreibt diese Situationen. Beispielhaft können wir das anhand der gängigen Wohnformen nachempfinden. Früher dominierte die Wohnform der generationenübergreifenden Familie. Vom Säugling bis hin zur Oma und Opa, alle lebten gemeinsam unter einem Dach und die Verwandtschaft wohnte häufig in der unmittelbaren Umgebung. Dieses familiäre Netz stellte ein Netz des gegenseitigen Geben und Nehmens im Alltag dar. Der Säugling wurde von der Oma mitversorgt, die Lebensmitteleinkäufe wurden für die ganze Familie getätigt und wenn ein Familienmitglied erkrankte, wurde es von einem Angehörigen gepflegt.

Gesellschaftliche Umbrüche bestimmen unser Leben

Der Anstieg von Singlehaushalten, aber auch der Geburtenrückgang sind exemplarische Zeichen für das zunehmende Aufbrechen dieses familiären Netzes. Dies ist in vielen Faktoren begründet. Ein wesentlicher davon ist der Arbeitsmarkt, der von den Arbeitssuchenden eine zunehmende Flexibilität verlangt, insbesondere auch eine räumliche. Ein anderer wesentlicher Grund liegt tatsächlich in der zunehmenden Individualisierung der Einzelpersonen. Es gilt als zeitgemäß sich selbst zu verwirklichen, seinen eigenen Weg zu gehen, sein Leben zu leben. Nun geht es keineswegs darum, diese Entwicklungen zu beklagen, denn einerseits sind sie unumkehrbar und andererseits sind hiermit ja auch sehr viele positive Entwicklungsmöglichkeiten für jedes Individuum verbunden. Wir müssen allerdings akzeptieren, dass diese Entwicklung weitreichende gesellschaftliche Konsequenzen hat. Wenn beispielsweise die Oma nicht mehr durch einen Angehörigen versorgt werden kann, weil dieser räumlich oder zeitlich nicht in der Lage dazu ist, dann muss sie durch einen fremden Dritten versorgt werden. Dann müssen die Sozialsysteme greifen.

Die Zukunft muss Antworten bieten

Politisch steht unser Gesellschaftssystem aber bekanntlich unter einem erheblichen Anpassungsdruck. Einerseits sind viele Dinge von staatlicher Seite nicht mehr finanzierbar und andererseits ist die Folge ein Ansteigen der Zahl hilfsbedürftiger Menschen. Dies sind Menschen, die zudem häufig am Rande der Gesellschaft stehen. Sei es durch einen Schicksalsschlag, durch eine Behinderung oder sei es auch selbst verschuldet, das spielt keine Rolle. Menschen, die wirtschaftliche Not leiden und denen es an existentiellen Dingen fehlt, aber auch Menschen, die zum Beispiel aufgrund einer Behinderung fachkundiger Unterstützung bedürfen. Durch den wirtschaftlichen Anpassungsdruck ist heute Vieles in unserem gesellschaftlichen und politischen System unsicher geworden. Was können und was wollen wir uns gesellschaftlich leisten, wird zu einer dominierenden Frage.

 

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