„Mit Freude am Leben“

Bei dem Projekt „Mit Freude am Leben“ geht es um Innovationen. Nun denkt man bei Innovationen vielleicht an den Flug zum Mond, ein neues Auto oder dergleichen, also an technische Innovationen. Hier geht es aber um menschliche Innovationen. Genauer, um Innovationen, die das Leben im Alter verbessern, also verschiedene Aktivitäten der Caritas Einrichtungen, die sich auf die Verbesserung der Lebensumstände alter Menschen in Alten- und Pflegeheimen konzentrieren.

Für die meisten alten Menschen ist der Schritt, den eigenen Lebensmittelpunkt in ein Altenheim zu verlegen, mit dem Gefühl der Endgültigkeit und der Aufgabe der Selbstbestimmtheit verbunden. Zugleich wird der Umstand der Pflegebedürftigkeit von den Betroffenen oder ihren Angehörigen erkannt. Dennoch ist diese Entscheidung für alle Beteiligten mit vielen gemischten Gefühlen verbunden.

 
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der verschiedenen Einrichtungen der Caritas wissen um diese schwierige, gefühlsbeladene Situation und wenden daher viel Energie auf, um zu überlegen, wie man für die betroffenen alten Menschen den Aufenthalt möglichst angenehm, aber vor allem lebenswert gestalten kann.

Hierzu zählen insbesondere auch neue, innovative Konzepte, die den Lebensalltag der alten Menschen, über die fachliche Pflege und die persönliche Betreuung der Menschen hinaus, angenehm „normalisieren“.  Zwei Beispiele für solche Innovationskonzepte sollen hier kurz aufgeführt werden: Herta Besenfein und das Hundeprojekt.

Herta Besenfein oder Lachen kann man auch im Alter

Herta Besenfein ist eine schauspielerische Figur. Im wahren Leben verbirgt sich hinter der Figur der Herta Besenfein, Britta Schmidt, eine ausgebildete Clowntherapeutin. Sie schlüpft in die Rolle der Herta Besenfein, einer Putzfrau, ausgestattet mit Eimer und Schrubber und besucht so die Bewohner der Altenheime. Als einfache, volksnahe Person trägt sie das Herz auf dem rechten Fleck und macht aus ihren Erkenntnissen, Beobachtungen und Lebensweisheiten keinen Hehl. Auf ihre unkonventionelle Art ist sie immer zu einem Schwätzchen bereit und natürlich für jeden Schalk zu haben.

Wer jetzt denkt, na gut, das ist ein bisschen Nachmittagsunterhaltung für die Bewohner, der denkt zu kurz. Das Projekt soll natürlich unterhalten, aber dahinter steckt auch ein klares therapeutisches Kalkül. So wird das Projekt durch die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW wissenschaftlich dokumentiert. Aufgrund des Erfolges des Pilotprojektes im Caritas Altenzentrum St. Josef wird zwischenzeitlich erwogen, dieses Konzept auf alle Alteneinrichtungen der Caritas aus zu weiten.

Herta Besenfein

Wie ist das zu erklären? Therapeutisch findet Herta Besenfein einen ganz anderen Zugang zu selbst dementiell erkrankten Menschen. Offensichtlich öffnet der Humor und die frische, freundliche Art der Herta die Menschen. Es wird ja bekanntlich auch in anderen Lebensumständen von „entwaffnendem Humor“ gesprochen. Genau dieser Effekt, dass Humor in der Lage ist, Barrieren aufzubrechen und Menschen ihre „Masken“ fallen lassen, macht dieses Therapiekonzept so wertvoll. Dementiell erkrankte Menschen erleben in Herta Besenfein einen Menschen, der ihnen in ihre zeitweise „ver-rückte Welt“ folgen kann und sie mit ihren Gefühlen und Stimmungen aufnimmt. Für einen Moment ist der ursprüngliche Mensch hinter der erkrankten Persönlichkeit erkennbar. Ein befreiender Augenblick für den Menschen, aber ebenso bewegend für Angehörige und Pflegedienstmitarbeiter.

Es wird Sie nicht überraschen, dass solche innovativen Konzepte derzeit nicht durch die Sozialsysteme getragen werden, sondern frei finanziert werden müssen. Die Caritas-Stiftung Mönchengladbach setzt sich daher für die Weiterentwicklung solcher Konzepte nachhaltig ein, weil wir der Meinung sind, dass es auch im Pflegebereich Innovationen braucht, die die Lebensqualität der Bewohner erhöhen.

Alte Liebe rostet nicht: Von Senioren und Hunden

Hunde können ja bekanntlich Freunde des Menschen sein. Sie haben ein freundliches Wesen, sind verspielt und bei wechselseitig gutem Umgang miteinander, dem Menschen zugetan. So kam man im Rahmen der Altenpflege auf die Idee, die positiven Auswirkungen von Tieren auf die menschliche Psyche zu nutzen. Warum sollte man nicht Altenheimbewohnern, die das wollen, Hunde für Spaziergänge oder Hunde als Besucher zur Verfügung stellen.

Gesagt, getan.

Auch eine einfache Idee braucht eine gute Vorbereitung. Dieser Sache nahmen sich der Soziale Dienst der Altenheime und das Freiwilligen Zentrum der Caritas (FWZ) an. Es kommt nicht jeder Hund in Frage, vielmehr müssen sich die Hunde einer speziellen Prüfung und Schulung unterziehen. Dann folgte der öffentliche Aufruf an Hundebesitzer, die bereit sind, mit ihren Hunden die Schulung zu durchlaufen, aber vor allem die Freude daran haben, Heimbewohner mit ihren Vierbeinern zu besuchen und mit ihnen Spaziergänge zu unternehmen.

Die Resonanz ist in zweierlei Hinsicht überwältigend. Zum einen meldeten sich viel mehr Hundehalter, als man dies gemeinhin erwartet hatte und zum anderen bereitet es den älteren Damen und Herren einen riesigen Spaß, sich um die Hunde zu kümmern und mit ihnen Spaziergänge zu unternehmen.

Manchmal ist es verblüffend, welche scheinbar kleinen Maßnahmen, einen doch so großen Nutzen stiften. Die Hunde werden zu treuen Freunden, die sich über eine Streicheleinheit freuen und zu denen die Heimbewohner einen Bezug aufbauen. Und so geben die Hunde den zum Teil kranken oder dementen Bewohnern ein Stück Vergangenheit zurück, aber vor allem ein Stück emotionale Freude, Nähe und Wärme.

Eine unkonventionelle Maßnahme von erstaunlichem Wert. Auch diese findet sich naturgemäß nicht in den Leistungsvereinbarung der Sozialkasse wieder, aber auf den therapeutischen Wert will niemand mehr verzichten. Das Projekt braucht finanzielle Unterstützung für die Organisation der ehrenamtlichen Tätigkeit und die Schulung der Hunde. Die Caritas-Stiftung Mönchengladbach wird sich weiterhin für unkonventionelle, innovative Konzepte, die die Freude am Leben im Alter erhöhen, einsetzen.

 

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